DiktionDiktion

Diktion ist in ihrer ursprünglichen Bedeutung die besondere Wortwahl und Ausdrucksweise eines Schriftstellers oder Sprechers in einem Gedicht oder einer Erzählung.
In ihrer allgemeinen Bedeutung ist sie die Besonderheit der Sprache: die Kunst des Sprechens, so dass jedes Wort in seiner ganzen Komplexität und Extremität deutlich zu hören und zu verstehen ist, und betrifft eher die Aussprache und den Tonfall als Wortwahl und Stil. Dies wird genauer und allgemeiner mit dem Begriff "Artikulation" beschrieben.

Abgrenzung

Der Begriff Diktion (von lateinisch dictio = „Gespräch, Unterhaltung, Vortrag, Rede“) bezieht sich auf die grundlegenden Eigenschaften eines Textes wie Wortwahl, Satzbau, Verknüpfung und Rhythmus.

Stil (und Manier) bezeichnen Stilmittel, wie rhetorische Figuren sowie persönliche Eigenarten des Autors.

Der Duktus (von lateinisch ducere = „führen“, ursprünglich: die Linienführung bei der Schrift aber auch in der Malerei) bezeichnet sowohl stilistische Elemente, wie Wortwahl und Satzbau, als auch die Aussprache (u.a. Dialekt), Intonation (u.a. Akzent) und andere Spracheigenschaften (z.B. Prosodie).

Literatur

Die Analyse der literarischen Diktion zeigt, wie ein Text den Tonfall und die Charakterisierung bestimmt, z. B. deutet ein überwiegender Anteil von Verben, die sich auf körperliche Bewegungen beziehen, auf einen aktiven Charakter hin, während ein überwiegender Anteil von Verben, die sich auf Gemütszustände beziehen, einen introspektiven Charakter darstellt.

Verwendung

Die Diktion ist von einer heute kaum mehr gekannten Flüssigkeit, sie meidet die wissenschaftliche Gespreiztheit ebenso sicher wie die falsche Monumentalität, sie ist frei und leger, ohne in Feuilleton auszuarten. [Carl von Ossietzky, "Lesbare Literaturgeschichte"]

Die Diktion Heines ist der Kulminationspunkt der modernen Schreibart, sie hat alle Vorzüge und alle Fehler derselben. Ihr größter Fehler ist wohl einer für den sie selbst nicht kann, nämlich der, daß sie sich nachahmen läßt. Diese feine musivische Komposition, diese drei-, viermal überbürstete Einkleidung lächelnder Gedanken, diese, sogar im Erhabenen noch immer beobachtete Beobachtung ihrer selbst, könnte Methode werden, da sie ordentlich ihre Regeln hat.
Alles heinisiert, alles mischt den Scherz in den Ernst, setzt die konkreten Bilder für abstrakte Begriffe, gibt den Teil für das Ganze, und hat für das Erhabene eine eigentümliche Verbindung der Sätze, die in einem gewissen Fortspinnen der Perioden durch träumerisch-gedankenlose Verbindungspartikel besteht. [Karl Gutzkow, "Heine"]

Mit einer großartigen Freiheit der Diktion und einer Fülle von weltgeschichtlichen Beispielen hat der Basler Gelehrte in diesem Werk eine Synthese seiner klassischen und seiner historischen Anschauungswelt versucht und gleichsam Goethe und Ranke, Harmonie und Sturm, Ruhe des Seins und Bewegung des Werdens zu einer gedanklichen Einheit vermählt. [Rudolf Stadelmann, "Jacob Burckhardt – Leben und Werk"]

Stellt man zwischen der wissenschaftlichen, der populären und der schönen Diktion eine Vergleichung an, so zeigt sich, daß alle drei zwar den Gedanken, um den es zu tun ist, der Materie nach, gleich getreu überliefern und uns also alle drei zu einer Erkenntnis verhelfen, dass aber die Art und der Grad dieser Erkenntnis bei einer jeden merklich verschieden sind. [Friedrich Schiller, "Über die notwendigen Grenzen beim Gebrauch schöner Formen"]

Was sodann unsern Widerwillen gegen Gedankenpoesie und die logisch geschärfte Diktion betrifft, so liegt hier ein nationaler Geschmacksbildungsfehler vor, der korrigiert sein will. Er beruht auf unvollkommener Entwicklung des Sprachgefühls und ausgeglichener Übung der Denktätigkeit.
Die übrigen Nationen schätzen den Gedanken innerhalb der Poesie höher, schleifen demgemäß die poetische Diktion logisch schärfer. Denken Sie z. B. an die sophistische Dialektik der athenischen, die Antithesen der französischen Tragödie oder, wenn Ihnen das näher liegt, an die Spitzfindigkeiten Shakespeares. [Carl Spitteler, "Lachende Wahrheiten"]

Sein Bruder Iwanowitsch riet ihm, die theologischen Werke Chomjakoffs zu lesen. Lewin las den zweiten Band derselben und war, ungeachtet der ihn anfangs abstoßenden, polemischen, eleganten und scharfsinnigen Diktion, überrascht von Chomjakoffs Lehrmeinung über die Kirche. Ihn überraschte anfangs die Idee, daß die Erlangung der göttlichen Wahrheiten dem Menschen nicht verliehen sei, sondern nur einer Gemeinschaft von Menschen, vereint in der Liebe – der Kirche. [Lew Tolstoi, Anna Karenina]

Daraus erklärt sich die unterschiedliche sprachliche Diktion der einzelnen Artikel und zudem werden pathetische Diktionen erfolgreich umschifft.

Ulla Lachauer, die kenntnisreiche und einfühlsame Autorin von Büchern und Filmen aus dem ehemaligen deutschen Osten, hat ihre Geschichte aufgeschrieben und bleibt dabei in der Diktion der Bäuerin. [Haug von Kuenheim, "Ostpreußen, bewahrt."]